Grundwissen zu Imagenaes – verständlich selbst für Geister
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Grundwissen zu Imagenaes – verständlich selbst für Geister
Imagenaes, die regelmäßig außerirdische Besucher empfangen, sind mit dieser Situation vermutlich gut vertraut: Fragt ein neugieriger Gast, „Was genau sind eigentlich die Imagenaes?“, bleibt oft nichts anderes übrig, als zu erröten (sofern Ohren vorhanden sind) und der Frage mit dem gesamten angesammelten Wissen auszuweichen. Schließlich ist nicht jeder Geist ein herausragender Absolvent der Graphia-Akademie, und verlässlichen Statistiken der Intelligenzia-Gilde zufolge nähert sich das Verständnis von 95 % aller intelligenten Lebensformen im Universum über die Lebenswissenschaften der eigenen Spezies dem absoluten Nullpunkt. Dennoch, solange wir noch auf dem Boden von Planarcadia atmen, bleibt „Kenne dich selbst“ eine Maxime, die es wert ist, ihr zu folgen. Imagenaes sind intelligente Lebensformen, die von einem inneren Kern angetrieben werden, Wunschkraft von Phantasmond und Menschen als Energie nutzen und aus diskreter Materie einen Körper bilden. Die Künstler, die ihre Gestalt entwerfen, sowie die Strömungen der jeweiligen Epoche bestimmen das Erscheinungsbild und die „Eigenschaften“, die sie annehmen. Abgesehen von Wunschkraft, einer allzu komplexen Energiequelle, werde ich dem Leser eine kurze Darstellung geben, was für Lebewesen die Imagenaes unter dem Phantasmond eigentlich sind. Der Kern als treibende Kraft Der wichtigste Bestandteil der Imagenaes ist der Kern. In gewisser Weise ist die Erforschung des Kerns im Inneren der Imagenaes noch schwieriger als die Erforschung der Wunschkraft. Der einzige Konsens ist, dass er tatsächlich wie der Triebwerkskern einer großen Maschine einen entscheidenden Einfluss auf die Aktionen der Imagenaes hat und gleichzeitig die Funktion eines Skeletts erfüllt. Sobald sie ihn verlieren, kann der Körper der Imagenaes seine aktuelle Form nicht mehr aufrechterhalten. Den ältesten Aufzeichnungen über die Imagenaes sowie den Berichten über Anomalien (ein in Planarcadia gebräuchlicher Begriff für unkontrollierbare und sich verschlimmernde Imagenaes und Imagenasis-Phänomene) zufolge, können Kerne unter natürlichen Bedingungen entstehen. In Umgebungen mit hoher Energie- oder Wunschkraftdichte bilden sich aus frei vorkommender Materie auf natürliche Weise kernartige Objekte, die besondere Eigenschaften aufweisen, wie sie auch bei Pfadfindern zu beobachten sind. Sie beginnen, umliegende Materie zu assimilieren und anzutreiben, um einen Körper auszubilden und aktiv zu werden. (Natürlich gibt es auch Gelehrte, die der Ansicht sind, dass diese Materie nicht ausreicht, um den Körper der Imagenaes zu bilden, und dass bei ihrer Entstehung eindeutig das Gesetz des Erhalts von Masse verletzt wird. Auf diese Kontroverse wird im Folgenden kurz eingegangen.) Im Aschenzeitalter erfand Graphia die Imagenasis-Technologie und verbreitete sie weitläufig, wodurch sich allmählich das Imagenasis-Handwerk formte, das wir heute kennen. Da der Antrieb von Imagenaes große Mengen an Wunschkraft erfordert, bedarf es für die Herstellung eines Kerns und die Erschaffung neuer Imagenaes in der Regel auch der Erlaubnis und Beteiligung offizieller Organisationen. Sobald ein Kunstwerk fertiggestellt ist und ausreichend Wunschkraft injiziert wird, entsteht im Moment vor seiner Geburt ein Kern. Identisch mit der inneren Struktur der Imagenaes ist der Kern im Wesentlichen eine verdichtete Materiemasse. Was ihn wirklich dazu bringt, sich zusammenzuballen und ihm die Fähigkeit verleiht, die Imagenaes anzutreiben, ist die „Triebkraft“, die durch die Strahlung der Pfad-Macht des Phantasmonds bereitgestellt wird. Das heißt, die Imagenaes sind vom Moment ihrer Geburt an Kreaturen, die auf einem Pfad wandeln. Was die in den letzten Jahren von der IFK entwickelte Fließbandproduktion von Imagenaes betrifft und wie dabei die strengen Voraussetzungen zur Erzeugung eines Kerns umgangen werden, so kann dies aufgrund patentrechtlicher Geheimhaltung hier nicht offengelegt werden. Körper und innere Struktur Aus biologischer Sicht gehören alle Imagenaes derselben Spezies an: von einem Kern getragene, durch Wunschkraft angetriebene materielle Aggregate ohne objektiv vorhandene Organstrukturen. Beeinflusst durch den Bewusstseinszustand des Künstlers während des Gestaltungsprozesses sowie durch kognitive Unterschiede der Menschen, die die Wunschkraft bereitstellen, zeigen sich jedoch Abweichungen. Am Beispiel der Orchs treten unter der Beobachtung mit durchdringender Strahlung im Inneren knochenähnliche Strukturen auf. Der neu entstandene Mechatron-Stamm besitzt darüber hinaus eine vollständige innere Struktur, die exakt seinen Konstruktionsplänen entspricht. Bemerkenswert ist jedoch, dass diese Strukturen lediglich eine Nachahmung darstellen. Weder bei den Orchs noch bei den Mechatrons erfüllen die inneren „Knochen“ die physikalische Funktion, ihren Körper zu stützen oder komplexe Bewegungen zu ermöglichen – sie unterscheiden sich nicht wesentlich von anderen Teilen des Imagenae-Körpers. Obwohl die aus der Kraft des Hochgefühls hervorgegangenen Schöpfungen per se schwer zu kategorisieren sind, wäre es aus rein physikalischer Perspektive treffender, sie eher mit gelartigen Baviru oder den formlosen Wesen zu vergleichen, als sich an ihrer oberflächlichen humanoiden Gestalt zu orientieren. Da die Masse-Energie, aus der die Imagenaes bestehen, nach ihrem Tod rasch zerfällt, war die Erforschung ihrer Struktur stets eine Black-Box-Wissenschaft. Komm jedoch nicht auf die Idee, sie einer Vivisektion zu unterziehen. Erstens verstößt dies zutiefst gegen die wissenschaftliche Ethik und die Menschenrechtsgesetze von Planarcadia. Zweitens sind jene, die so etwas getan haben, bereits zu einem klaren Schluss gekommen: Für sich genommen handelt es sich lediglich um gewöhnliche Partikelanhäufungen, nicht anders als ein Stück elementarer Kohlenstoff oder ein Glas Wasser. Doch sobald diese Stoffe sich zusammenfügen und Teil eines Imagenae werden, verändern sie ihre Eigenschaften und verwandeln sich in „Imagenasis-Materie“. Was die Materie betrifft: Woher stammt die Materie, aus der ein Imagenae im Augenblick seiner Geburt, wenn der Künstler sein Werk vollendet, überhaupt besteht? Diese Frage beschäftigt die wissenschaftliche Welt seit langem und bleibt bis heute unbeantwortet. Die beiden derzeit vorherrschenden Hypothesen sind die „Raumpfad-Hypothese“ und die „Diskrete-Materie-Hypothese“. Erstere geht davon aus, dass ein Imagenae im Moment seiner Geburt einen Teil seiner Masse aus dem Raumpfad des Äons des Hochgefühls bezieht, um seinen Körper zu bilden, und diese Masse bei seinem Tod wieder freisetzt und zurückgibt. Letztere hingegen besagt, dass der Kern eines Imagenae schnell diskrete Materie aus der Umgebung absorbiert und sie als Bestandteil seines Körpers verwendet. Es gibt sogar radikale Ansichten, die behaupten, dass die Energie der Wunschkraft in diesem Prozess die Zusammensetzung der Partikel verändert und teilweise in Masse umgewandelt wird. Seit der Rückkehr von Planarcadia in die reale Welt liefern sich zwei Gelehrtenschulen unablässig erbitterte Debatten. Und in jüngster Zeit hat eine neue Schule sogar die gewagte These aufgestellt, dass beide Hypothesen richtig seien. Wenn du die tieferen Geheimnisse dahinter erfahren möchtest, dann ergründe lieber jenen schwer zu fassenden Gott des Spaßes: das Gelächter. Festlegung und gestaltete Erscheinung Viele Menschen außerhalb von Planarcadia hegen falsche Vorstellungen über den Erschaffungsprozess der Imagenaes. So wird etwa angenommen, man könne durch die Verleihung besonders mächtiger „Festlegungen“ oder durch die Darstellung als kolossales Wesen zwangsläufig ein starkes Imagenae erschaffen. Ganz abgesehen davon, ob der Körper eines Imagenae überhaupt eine derart gewaltige Energie aufnehmen kann (Nach bisherigen Erfahrungen ist der Stamm Donnerdrache, der Planarcadia mit Strom versorgt, sowohl in Bezug auf Masse als auch Energiebelastung bereits im Grenzbereich dessen, was ein Kern tragen kann. In der Moderne ist mit dem allmählichen Verlust der Vorstellungskraft für großartige Dinge in Planarcadia und der Hinwendung zum Realismus die Geburt großer Imagenaes zunehmend schwieriger geworden.), muss die einem Imagenae verliehene „Festlegung“ letztlich auch durch ausreichende und passende Wunschkraft gestützt werden. Wenn zum Beispiel ein Künstler versucht, mit seiner eigenen Wunschkraft einen Körper für ein Imagenae zu erschaffen, der unverwundbar gegen Klingen und Kugeln ist, sich frei im Himmel und am Boden bewegen und raketengetriebene Faustschlägen ausführen kann, führt dies in den meisten Fällen dazu, dass sich überhaupt kein Kern ausbildet. In seltenen Fällen entsteht lediglich ein unvollständiges Imagenae. Im Imagenae-Rehabilitationszentrum des Dritten Krankenhauses von Duomension City befinden sich zahlreiche defekte Imagenaes, die aus derartigen persönlichen Begehrlichkeiten hervorgegangen sind. Derzeit wurde dieses Verhalten in die Zusatzbestimmungen des Gesetzes zum Schutz der Fae aufgenommen und ist, ebenso wie die Erschaffung menschlicher Imagenaes, eine schwere Straftat. Auf der Mikroebene stimmt das Aussehen der individuell erschaffenen Imagenaes natürlich mit der vom Künstler skizzierten Form überein. Auf der Makroebene hingegen gibt es im Laufe der langen Geschichte stets einige Formen, die besser geeignet sind, Wunschkraft zu tragen. Künstler erschaffen lieber von Menschen geliebte Gestalten, und von Menschen geliebte Gestalten können auch leichter Wunschkraft absorbieren. In Zeiten, in denen die Menschen muskulöse Katzen bevorzugen, kann Wunschkraft sich natürlich besser an ihnen anhaften. Dagegen geraten in Zeiten, in denen die Menschen kleine Katzen bevorzugen, jene muskelbepackten Leichtpfoten oft in die missliche Lage, kaum noch Wunschkraft auf sich ziehen zu können. Wie sich die Mondschläfer von ihrer ursprünglichen hasenähnlichen Gestalt zu den heutigen menschenähnlichen Kreaturen entwickelt haben, ist bis heute umstritten. Für die breite Öffentlichkeit reichen jedoch Begriffe wie „Trendwandel“ und „Stilwechsel“ aus, um die Veränderungen im Erscheinungsbild der Imagenaes zu beschreiben. So, habt ihr das alles verstanden?
