Brief der Fotografin
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Brief der Fotografin
An alle Kollegen von Furbokom: Furten Tag. Dies ist ein Brief zur Klarstellung der damaligen Fakten. Ich hoffe, dass alle Kollegen aus der Presse nach der vollständigen Lektüre dieses Briefes erkennen werden, dass ihre veröffentlichten Beiträge, genau wie das damalige Verhalten des Regisseurs, die Wahrheit verdrehen und auf Fälschungen beruhen. Vor fünfzehn Jahren, am 22. Juli, ermordete der Herold des Todes Bequeas Eltern. Bequea, die all dies mit ansehen musste und nur knapp überlebte, entwickelte in der Folge eine schwere posttraumatische Belastungsstörung. Am 9. September kam die schwer leidende Fräulein Bequea für ihre ersten Dreharbeiten zur Sendung „Bitte sei glücklich“. Damals machten sowohl der Regisseur als auch der Produzent großspurige Versprechungen, ihren Schmerz zu heilen. Leider zeigten mehrere Folgen keine Wirkung, also begann der Regisseur, Fräulein Bequea bewusst zu drängen und zu zwingen, mehrfach psychologische Tests durchzuführen, um sich mit den Antworten vertraut zu machen. Der Produzent begann auch, ihre Geschichte intensiv nach außen zu bewerben. All dies wurde zum letzten Strohhalm, der Bequea zwang, bei der Fälschung mitzumachen. Am 5. November desselben Jahres entschied sich Bequea, die sich nicht selbst heilen konnte, für die Glücksoperation und verschwand. Sämtliche relevanten Beweise habe ich bereits in dem damaligen anonymen Tipp vorgelegt. Die Beweislage war erdrückend, aber sie wurde aus unbekannten Gründen nie öffentlich gemacht. Wenn ich an jene Drehtage zurückdenke, hasse ich mich selbst dafür, wie gehorsam ich war, hasse meine Feigheit und Tatenlosigkeit. Ich hätte so viel mehr tun können, ich hätte mutiger sein können, aber das war ich nicht. Ich lief einfach einer Gruppe hinterher, und selbst wenn ich innerlich eine andere Meinung hatte, wagte ich es nicht, auch nur leise zu husten. Bequea sagte immer: „Danke, Frau Fotografin.“ Aber ich habe so einen Dank nicht verdient ... Deshalb habe ich nach der anonymen Anzeige die Medienbranche komplett verlassen, habe diesen Ort verlassen, an dem man mit der Kamera vorgibt, Wahrheit und Glück festzuhalten. – Siehst du, selbst wenn ich mich widersetze, bin ich am Ende doch ein Feigling. Aber in dem Moment, als ich euren Beitrag sah, wurde mir klar, dass ich so nicht weitermachen konnte. Fünfzehn Jahre sind vergangen, ich möchte nicht, dass die öffentliche Meinung Bequeas Frieden erneut stört, ich muss eure Rufe nach einer „Wiederaufnahme des Falls“ stoppen. Deshalb dachte ich, ich sollte euch einfach alles erzählen, was damals passiert ist. In dieser Kiste bewahre ich die Dinge auf, die ich ursprünglich für Bequea aufbewahrt habe, denn vielleicht würde Bequea eines Tages auch etwas wiederfinden wollen, und ich wollte nicht, dass Bequea den Schlüssel nach Hause verliert. Aber jetzt kann ich diese verlorene Person nicht mehr erreichen, also überlasse ich es lieber euch, die Wahrheit zu finden. gez. Die Fotografin
