Eid der Nacht
BRACER
Schwur des Lichthüters
... In jenen Tagen fegte ein gnadenloser Nordwind über das Land, ebnete das Land und streckte die unbeugsamen Grenzvölker für die tyrannischen Fürsten nieder. Um die verlorene Kraft des Mondes zu stehlen, legte ein Mönchsmagier mit fremdartigem Dialekt dem Zaren der Geister einen tückischen Plan vor. Die Mondkinder, die sich in den Bergen verborgen hielten, wurden zerstreut. Ihre Schwestern trieb das Schicksal auf einen Pfad ohne Wiederkehr. Am Ende konnte selbst der hochmütige Wahnsinnige dem Gefängnis der himmlischen Schale nicht entkommen ... Am Ende verschlang ihn die Macht der eigenen Irrsinnsträume. All diese Geschichten liegen in einer Zeit, noch bevor das Paradies geboren wurde. Denn zu jener Zeit war das Paradies nichts weiter als ein flüchtiger Traum zweier Kinder im silbernen Schein des Mondes. Viele Jahre später fand einer von ihnen, in allen Ländern berüchtigt als großer Räuber, sein Ende auf dem Schafott. Erst dann verstand der andere die wahre Bedeutung hinter den scheinbar beiläufig gesprochenen Worten. Wir alle wissen, was danach geschah. Als die lange Nacht hereinbrach, hatte der Königshof des Nordens keine Zeit mehr, sich um dieses entlegene Land jenseits der Schneewüste zu kümmern. Die pechschwarze Bestienflut fegte über das öde Land und tilgte jede Spur vergangener Zivilisation. Erst als der erste Fackelmacher das Licht entfachte und die Macht der Mondkindpriesterin empfing, ... verbannte er im Namen des Mondes die Dunkelheit in die lichtlosen Ruinen, wo sie mit den von Albträumen zerrissenen Seelen begraben wurde. Als alles vorüber war, errichteten die Überlebenden einen Leuchtturm auf dem Berg und richteten ihren Blick auf die neuen Herrscher von Snezhnaya. Um die kindlich reine Vorstellung seines engen Freundes zu bewahren, wagte der Fackelmacher es, vor dem Hof der Zarin Einspruch zu erheben. Zwar erlangte er das ersehnte kaiserliche Dekret, doch lastete von nun an die Bürde des geschworenen Schutzes und der Aufopferung auf seinen Schultern. Und so nahm die Legende des Paradieses, das „Nod-Krai“ genannt wurde, ihren Anfang.
