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Nachtgeflüster von der fernen Grenze

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Nachtgeflüster von der fernen Grenze – Varcolac

Czcibor hatte im Jagdhaus für zwei Tage und zwei Nächte Wache gehalten. Der frische Schnee, der tagsüber gefallen war, bedeckte den Wald, sodass die Nacht außergewöhnlich ruhig war. Selbst er, ein erfahrener Jäger, konnte die Müdigkeit kaum vertreiben. Aber sobald er an die Szene dachte, in der das Mädchen, dessen Hals aufgerissen wurde, unaufhörlich blutete ... „Diese Bestie muss den Preis zahlen!“ Dieser Gedanke half Czcibor, sich zusammenzureißen. Der dichte Wald schien wie ein schwarzer Vorhang, der durch Albträume gewoben wurde. In diesem Moment hörte er von Südosten her ein schwaches, raschelndes Geräusch und sah schemenhaft, dass ein riesiger, schwarzer Schatten schnell näherkam und im Nu vor ihm war. Czcibor hielt seine Armbrust fest. Von seiner Position aus hatte er eine schlechte Sicht, weil eine gefallene Kiefer genau zwischen ihm und jenem schwarzen Schatten lag. Durch die Lücken zwischen den Kiefernadeln konnte er erkennen, dass die vorderen Pranken der Bestie so groß wie sein eigener Kopf waren und ihr hartes, pechschwarzes Fell den aus der Nacht gewachsenen Dornen glich. Plötzlich hielt das Monster an. Hatte es mich gesehen? Czcibor spannte seine Muskeln an und war bereit für einen Kampf. Unerwarteterweise drehte die Bestie vor ihm plötzlich um. „Husch!“ Instinktiv schoss er einen Pfeil aus seiner Armbrust ab, der genau die rechte Schulter des Monsters traf. Vor Schmerz rannte das Monster rasch in den Wald, ohne zurückzuschauen. Natürlich hatte Czcibor keine lebenswichtige Stelle getroffen. Aber aus so kurzer Entfernung sollte die Wunde ziemlich schwerwiegend sein. Czcibor folgte der Blutspur, bis die karmesinrote Spur vor einem prächtigen Anwesen tief im dichten Wald verschwand. Es schien, als ob das Herrenhaus innerhalb des Anwesens von einem alten Ölgemälde abgeschnitten und dann in das düstere Meer der Wälder eingelassen worden wäre. Seine aufragenden Spitztürme ragten durch die Baumkronen. Schwaches, weißes Licht drang durch die Fensterscheiben, als würde es die Besucher mit kalten, wachsamen Augen anstarren. „Das ist zu seltsam, oder? Jemand, der in so einem Haus wohnen kann, hat diesen abgelegenen Ort gewählt ...“ Czcibor betätigte verdächtig die Türklingel des alten Herrenhauses. Ein älterer, gut gekleideter Butler öffnete die Tür. Außer eines leicht blassen Teints schien er ganz sicher ein Mensch zu sein. Czcibor fragte nach der verletzten Bestie. Der alte Butler schüttelte verwirrt seinen Kopf und sagte, dass er sie nie gesehen hatte. Der Jäger erklärte, dass die Blutspur ihn hierher geführt hatte, was darauf hinwies, dass sich das Monster wahrscheinlich innerhalb des Herrenhauses versteckte. Sollte das Monster nicht gefunden werden, würden alle in Gefahr sein. Nach einer kurzen Überlegung führte der Butler den Jäger zum Herrn des Hauses. Das war ein gut aussehender junger Mann in seinen frühen Zwanzigern, dessen dickes, pechschwarzes Haar bis zu seiner Taille fiel, fein und anmutig. Er hörte ruhig die Erzählungen der beiden an, nickte danach und sagte: „Du bist wirklich den ganzen Weg durch den Schnee hierher gestapft ... Es scheint, dass ein wahrer Jäger die Beute, die ihm bereits in die Hände gefallen ist, niemals gehen lässt.“ Um dem Jäger für seine Hilfe zu danken, lud der Herr des Anwesens den Jäger herzlich zum gemeinsamen Abendessen ein. Immerhin war draußen wieder ein Schneesturm aufgezogen. Unabhängig davon, ob der Jäger die Menschen im Anwesen schützen, oder das Monster jagen wollte, sollte er hier übernachten. „Schwarzes Haar ...“ Czcibor wurde misstrauisch. Er war im Lager der Nachkommen des Frostmonds aufgewachsen und hörte einmal die alte Diakonin sagen, dass unter den Feen die „Varcolac“ am trickreichsten waren. Sie verfügten über zwei Herzen und konnten sich in zwei völlig verschiedene Formen verwandeln: Mensch und Fee. Aber egal welche Form sie übernahmen, ihre Felle blieben immer dieselbe Farbe. Die Fellfarbe des wolfähnlichen Monsters war genau gleich wie die Haarfarbe dieses jungen Adligen. Czcibor zögerte nur kurz und nahm die Einladung an. Während der gesamten Mahlzeit versuchte er auf unterschiedliche Art und Weise, diesen Mann zu testen. Ob Pfeffer oder Knoblauch auf dem Essen, dessen Geruch und Geschmack die Wölfe am meisten hassten, oder das von ihm getragene, im Mondschein schimmernde Amulett, nichts schien das Missfallen dieses Gastgebers zu erregen. Der junge Mann aß elegant das Essen auf, nahm sogar mit Interesse Czcibors Amulett in die Hand und betrachtete es genau. Nach dem üppigen Mahl unterhielt er sogar Czcibor, indem er mit einer Orgel ein melodisches Lied spielte. Natürlich ließ die Wachsamkeit des Jägers keinen Moment nach, sodass er gar keine Lust hatte, zuzuhören. Es war endlich Zeit, ins Bett zu gehen. Der junge Herr stand auf und wollte gehen. Plötzlich drehte er sich um und sagte dem Jäger mit einem verheißungsvollen Blick: „Heute Nacht scheint kein Mondlicht und draußen tobt ein Schneesturm. Verlasse bitte unter keinen Umständen dein Schlafzimmer. Was das Monster angeht, lass uns morgen früh gemeinsam Nachforschungen anstellen.“ Hmpf, natürlich sagst du das, dachte Czcibor sich. Er blieb in seinem Zimmer, bis es draußen ruhig war. Dann schlich er vorsichtig in der Dunkelheit heraus. In der Nacht herumzuschleichen, war genau die Stärke eines Jägers. Mit diesem Anwesen stimmte etwas ganz und gar nicht. Er überprüfte einige Diener, die tief und fest schliefen. Alle von ihnen hatten seltsame Narben auf ihren Gliedmaßen, weder tief noch oberflächlich. Sie waren nicht tödlich, aber sahen nicht so aus, als ob sie während der Arbeit verursacht worden wären. Als Czcibor an den blassen Teint des alten Butlers dachte, wurde er noch ängstlicher. Er hatte einmal gehört, dass einige Varcolac eine besondere Vorliebe dafür hatten, frisches, menschliches Blut zu schmecken. Was ihm einen noch kälteren Schauer über den Rücken jagte, war die Orgel, deren Röhren tatsächlich aus Knochen gefertigt waren! Außerdem schienen diese Knochen, basierend auf seiner Erfahrung als Jäger, keine Schenkel von gewöhnlichen wilden Bestien oder üblichen Nutztieren zu sein ... Als er dies genauer prüfen wollte, hörte er plötzlich ein kaum vernehmbares Geräusch von Schritten aus dem Zimmer am Ende des Flurs, die leicht zu den Haupttoren gingen. Czcibor verbarg sich im Schatten und verfolgte das Geräusch. Im Schneesturm draußen erkannte er vage die Gestalt vor ihm – es war der junge Herr des Anwesens. Der Jäger verfolgte die Gestalt trotz des Schneesturms Schritt um Schritt. Die beiden kamen nacheinander auf einer freien Fläche im dichten Wald an, wo der junge Mann plötzlich anhielt. Czcibor versteckte sich hinter einem Baum und spähte. Inmitten des wirbelnden Schnees zog der schwarzhaarige Junge langsam seine Kleidung aus. Dort, auf seiner rechten Schulter! Eine noch nicht verheilte Pfeilwunde! Plötzlich hing der gesamte Schnee neben dem jungen Mann – sowohl der am Himmel als auch der auf dem Boden – schwebend in der Luft, sodass die zuvor vom Schnee bedeckten Frostglocken auf dem Waldboden enthüllt wurden. Das schimmernde Licht auf den Blumen floss wie Blut unablässig zu dem jungen Mann. Ob es eine Illusion war oder nicht, die Wunde auf seiner Schulter schien allmählich zu verheilen beginnen. Das war der Varcolac! Czcibor zögerte nicht mehr. Obwohl ein Angriff aus dem Hinterhalt kaum etwas Ehrenhaftes war, war er ein Mensch, der versuchte, eine Fee zu töten, und hatte keine andere Wahl. Er zog seinen Dolch heraus, sprang aus seinem Versteck und stach nach dem jungen Mann. Wer hätte gedacht, dass sich der junge Mann plötzlich umdrehen und sein Handgelenk ergreifen würde, sodass die Klinge fast in seine Brust gestoßen wurde? Sie fielen auf den Boden und rangen miteinander, während die Klinge an ihren Fingerspitzen schimmerte. Ihre Atmungen und ihr Gebrüll vermischten sich in einem Durcheinander und niemand wollte loslassen. Im Gerangel wurde Czcibor allmählich erschöpft. Unmöglich! Dieser schmale junge Mann konnte unmöglich nur durch Kraft die Oberhand über ihn gewinnen. „Monster! Du Monster!“ Der Jäger spürte, dass die Lage aussichtslos war, und er schrie verzweifelt auf. „Nein ... Ich bin kein ... Ich bin kein Monster ...“ Ein Hauch von Zögern huschte durch die Augen des jungen Mannes. Jetzt ist die Gelegenheit! Czcibor riss den Dolch zurück und trieb ihn tief in das Herz seines Gegners. Mit dem durch den fallenden Schnee spritzenden Blut verloren die Augen des jungen Mannes allmählich ihren Glanz. Bevor der Jäger nach Luft schnappen konnte, begann dickes, schwarzes Fell unheimlich aus dem Körper, der hätte tot sein sollen, herauszuwachsen. Dieser junge Mann verwandelte sich rasch in die Form des enormen, wolfähnlichen Monsters. Czcibor erschrak und wollte seinen Dolch herausziehen, um ihm weitere Stiche zu versetzen. Aber eine riesige Pranke drückte auf den Griff des Dolchs und ließ die Klinge tief in seine eigene Brust sinken. Das Monster lachte laut, sein teuflisches Gelächter hallte im Schneesturm wider. Es starrte auf den Jäger und knurrte mit einer heiseren, aber aufgeregten Stimme: „Wir Varcolac sind mit zwei Herzen geboren.“ Blut strömte aus der offenen Wunde hervor, aber die Augen des Monsters brannten noch heller. „Danke fürs Erstechen des irrelevanten Herzens. Jetzt bin ich endlich vollständig!“ Noch bevor die Worte verklungen waren, öffnete das Monster sein Maul, in dem seine Fangzähne mit grausamem und kaltem Glanz schimmerten, und biss in den Hals des Jägers. Hier endet die Geschichte abrupt. Wer kann mit Sicherheit sagen, ob sie eine Legende ist oder eine unenthüllte Wahrheit? Vielleicht verfügen die Feen namens Varcolac wirklich jeweils über zwei Herzen. Diese Feen sind derzeit fast ausgestorben, und viele Leute haben sie bereits als einen absurden Mythos betrachtet. Aber Gerüchten zufolge ist die Herzogin, Frau Evlampiya Orlova von Snezhnaya, tatsächlich ein Varcolac, aber nicht einer, der mit Wolfsfell bedeckt ist. Es ist ganz einfach, diese Legende zu überprüfen. Aber, lieber Leser, du hast wahrscheinlich nicht den Mut, diese erhabene Dame zu fragen!

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