Aufzeichnungen eines unbekannten Handwerkers
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Aufzeichnungen eines unbekannten Handwerkers
Je tiefer wir vorstießen, desto stärker breitete sich dieser unerträgliche, abscheuliche Gestank aus. Vielleicht lag es an der allgegenwärtigen Feuchtigkeit und den Pilzen ... Diese bleichen Schimmelpilze und die sonderbaren mineralischen Ablagerungen verströmten alle eine ungesunde, giftige Ausdünstung. Doch das war nicht der einzige Grund für das Unbehagen, das dieser Ort auslöste. Anfangs meinte (...), dieser Ort sei „unglücksverheißend“, aber selbst sie hatte damals keine ausgefalleneren Erklärungen anzubieten. Als die Arbeiten fortschritten, verlor ein Handwerker aus (...) plötzlich den Verstand ... Er schrie, lachte, weinte und sprach wirres Zeug darüber, wie er in den Tiefen des Wassers eine gigantische, scheußlich aufgedunsene schwarze Silhouette gesehen habe. Diese Gestalt habe ein Furcht einflößendes, blasphemisches Lied geschrien und ihm befohlen, vor dem „Meister“ niederzuknien. Der Aufseher brachte ihn weg, doch ein Gefühl der Unruhe hatte sich bereits unter den Arbeitern ausgebreitet. Das schäumende und wirbelnde Wasser, das den üblen Geruch verbreitete, konnte vielleicht als natürliches Elementarphänomen interpretiert werden, doch die flüchtigen Geräusche und das Flüstern ... Selbst ich konnte dafür keine vernünftige Erklärung finden. Hinter diesen alten Mauern ... oder vielleicht aus den Fundamenten darunter, ich bin mir nicht sicher ... drang ein klares, aber zugleich leises, verstohlenes und gedämpftes Geräusch, als würde etwas in den Wänden entlanghuschen. Die Arbeiter sprachen mit gedämpfter Stimme und zitterten, erfüllt von einer wirren, fast wahnsinnigen Angst. Sie murmelten etwas von einem unvorstellbaren, gotteslästerlichen Fluch, der tief unten im Wasser lauerte. Sie waren überzeugt, unsere Taten hätten „es“ aus einem Schlaf erweckt, der schon Äonen überdauert hatte. Keiner würde diese Ruine jemals lebend verlassen, und selbst wenn, könnte er es niemandem erzählen, denn solche Geschichten würde man als das Gefasel eines Wahnsinnigen abtun. Ich fand keine rationale Erklärung für diesen abstoßenden, tief sitzenden Schrecken. Diese feuchten, von Pilzen überwucherten Mauern, die das gewölbte Dach trugen, sollten doch aus massivem Felsgestein bestehen ... Das Geräusch, wenn man darauf klopfte, bewies das. Doch diese schauerlichen, raschelnden Geräusche hielten an in der tiefen Dunkelheit der Nacht, weckten mich immer wieder aus meinem unruhigen Halbschlaf und hinterließen mich in einem Zustand verwirrter Schläfrigkeit. Die Aufseherin versuchte uns zu beruhigen und versicherte, dass sie selbst nichts Ungewöhnliches gehört habe. Unsere Halluzinationen müssten wohl am Schlafmangel liegen. Aus Mitgefühl beantragte sie sogar zusätzliche Getreiderationen für uns. Doch die Angst, die sich unter den Arbeitern ausbreitete, war bereits so groß, dass ... (Der Großteil des nachfolgenden Textes wurde absichtlich gelöscht und ist daher unlesbar.)
